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Ein junger Mann aus Greiz im Vogtland, der nicht der Stärkste in der Familie Gruschwitz war, sollte einen Beruf lernen, bei dem er viel an der frischen Luft war. Also lernte Arno Gruschwitz in Dornreichenbach bei Leipzig den Beruf des Gärtners. Seine Wanderjahre führten ihn durch ganz Deutschland u. a. auch ins Alte Land bei Hamburg, wo er sich intensiv mit dem Obstbau beschäftigte. Jedoch sein Weg führte ihn weiter und in Langburkersdorf muß ihn etwas besonders gefallen haben. War es die Arbeit in der Schloßgärtnerei, deren Pächter er wurde, oder war es die Mamsell Marie aus der Hofmühle. Arno Gruschwitz war von schnellem Entschluß. Am 4. April 1912 meldete er das Gewerbe als Gärtner an, heiratete seine Marie, borgte sich 12.000 Goldmark, baute ein Wohnhaus und errichtete seine Gärtnerei an der Hohwaldstraße. Das alles ging sehr gut, da das Beamtentum in Deutschland noch nicht so ausgeprägt war. Jedoch mit dem Krieg 1914 begann eine schwere Zeit für die Familie.
Wie Anzeigen aus den 20-iger und 30-iger Jahren belegen, verdingte sich Arno Gruschwitz auch außerhalb der Gärtnerei mit dem Anlegen und der Pflege von Obst- und Ziergärten und in der Gärtnerei wurde mit Obst- und Beerengehölzen gehandelt sowie mit Saatkartoffeln, Steckzwiebeln und Sämereien aller Art. In den ersten zwei kleinen Erdgewächshäusern wurden vor allem Jungpflanzen für die eigenen Frühbeete, für den Hausgarten der Kunden herangezogen. Im sogenannten “Vorhaus” stand der Kessel, und es wurde dort pikiert, getopft, verkauft und vorallem Kranzbinderei betrieben.

Ende der 30-iger Jahre waren die drei Söhne Fritz, Kurt und Dieter schon erwachsen. Kurt und Dieter wurden Gärtner und halfen schon tüchtig in der Gärtnerei.
Der Krieg schlägt seine Wunden auch in der Familie Gruschwitz: Alle Söhne müssen nacheinander zum Kriegsdienst. Der älteste Sohn Fritz kehrt nicht zurück.

Am 26. März 1941 stirbt die Ehefrau Marie. Arbeitsmaids helfen Arno über die schwere Zeit hinweg, doch dann lernt Arno Frieda Deckbar kennen, die auf dem Rittergut Berthelsdorf als Mamsell arbeitete. Sie wird am 22. März 1944 seine zweite Frau.

1946 und 1947 kehren die Söhne Dieter und Kurt aus dem Krieg zurück. - In der Kriegs- und Nachkriegszeit werden immer mehr Frühbeetkästen aufgestellt, und es wird angebaut was zu essen ist: Kopfsalat, Kastengurkern, Thomaten, Bohnen und an Blumen viel Friedhofspflanzen. - Der Kurt hatte also viel auf dem Friedhof zu tun und es ergab sich, dass er eine von den drei Töchtern des Friedhofmeisters Karl Strohbach, nämlich die Erika, näher kennenlerte. Es dauerte nicht lange, da war die Erika schon in der Gärtnerei: 1948 heirateten die beiden und am 10. April 1949 wurde die Tochter Christel geboren.

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1953 starb Arno Gruschwitz im Alter von 66 Jahren. Ihm als Begründer des Betriebes sei hiermit gedacht! Kurt und Erika Gruschwitz übernahmen nach 1953 in der 2. Generation den Betrieb und führten ihn bis 1979.

In diesen Jahren entwickelte sich der Betrieb stetig weiter. Aus einfachen Kästen wurden heizbare Frühbeetkästen. Der Gerbera-Block und das Haus 6 wurden gebaut.

Die Gerbera-Kultur wurde zu einer der wichtigsten Schnittblumenkulturen neben Chrysanthemen, Rosen, Nelken, Freesien, Tulpen, Narzissen, Calla und Anthurien. Die vielen Schnittblumen waren in den Zeiten des Mangels ein wahrer Segen für unsere Kundschaft. Im Frühjahr gab es auch reichlich Beet- und Balkonpflanzen und Gemüsejungpflanzen, aber im Herbst und Winter waren schon immer Alpenveilchen die Nr. 1. Ein großer Fortschritt war die Einführung der Folienzelte. Im Freiland wurden kalte Foliezelte gebaut und anstelle von beheizbaren Kästen - heizbare Zelte.

In diese Foliezelte wurde schon im März, wenn draußen der Boden gefroren war, Kopfsalat ausgepflanzt. Für unsere Gemüseproduktion wurde uns vom Rat des Kreises ein Kontingent vorgeschrieben, das beim VEB Großhandel OGS abzuliefern war. Die Tochter Christel lernte in Dresden den Beruf des Zierpflanzengärtners und arbeitete danach im Gartenbaubetrieb Pac-Elsner. Gleichzeitig absolvierte Sie ein Fernstudium an der Fachschule für Gartenbau Bannewitz.
In dieser Zeit lief Ihr ein junger Mann, namens Bernd Miller über den Weg. Er war auch gern gesehener Gast im Hause Gruschwitz und in der Gärtnerei. Aus der Gastrolle wurde eine feste Rolle, denn beide heirateten 1972. Der Schwiegersohn war sehr willkommen, denn er konnte den Kampf mit der Rohbraunkohle aufnehmen. An kalten Tagen wurden bis zu 10 t feste Brennstoffe gefeuert.

Im Jahre 1979 wurde Kurt Gruschwitz Invalidenrentner, und Christel und Bernd Miller übernahmen den Betrieb in der 3. Generation. Mit neuer Kraft wurde jetzt „generalrepariert”, d. h. neu gebaut wurden Haus 4, 5, 7, 8, 9, 10 und das Kesselhaus. Die Gemüse- und die Gerberaproduktion wurde ausgeweitet.

Ein großer Höhepunkt in unserem Betriebsgeschehen war unser 75-jähriges Betriebsjubiläum am 4. April 1987. Wir sind alle froh, dass Kurt Gruschwitz dieses noch miterleben konnte. Er verstarb am 10. Oktober 1987. Ihm und seiner Leistung für den Betrieb sei hiermit gedankt und gedacht.

Die Zeit nach der Wende war für uns keine Zeit der Resignation vor dem Überangebot an Blumen und vor Billiganbietern wie Baumärkten und Lebensmittelhandel, sondern eine Zeit der Information und der Nutzung der Chancen, als Gärtnerei fortzubestehen.
Zuerst verließen wir unseren alten Laden und zogen am Valentinstag 1991 in unser Verkaufsgewächshaus um. 1990 begannen wir mit dem Blumenverkauf in Bischofswerda und 1991 in Neustadt an der Kaulischstraße. Daraus wurden die zwei Geschäfte des Blumenpavillon Miller.

Die Heizung wurde umgestellt auf Ölheizung, und die energiefressenden Foliezelte wurden abgelöst durch moderne Gewächshausblöcke mit Energieschirmen und Ebbe-Flut-Bewässerung aus der Regenwassersammelanlage.

Die Wege und Gewächshäuser wurden so gestaltet, dass die Kunden zu jeder Zeit durch die Häuser gehen können und sehen „wo es wächst” und auch kaufen „wo es wächst”. Wir sind eine offene Gärtnerei! Die letzte große Investition war im Jahre 2000 der Abriß von Haus 6 und des alten Verkaufsgewächshauses 7 und die Errichtung eines neuen 12 m breiten Verkaufsgewächshauses an deren Stelle.

Durch die regelmäßigen Aktionen und Ausstellungen und durch den Tag der offenen Gärtnerei zu Beginn der Saison sind wir zu einer Erlebnisgärtnerei am Rande von Neustadt geworden.

Unsere Belegschaft freut sich jederzeit auf Ihren Besuch und wir natürlich auch!

Christel und Bernd Miller sowie Erika Gruschwitz
Antje May und Thomas May